EU-Beitritt und Unternehmensproduktivität

Staatsvereinnahmung und ungleiche Infrastrukturentwicklung schaffen Risiken

University of Bournemouth, UK

Bournemouth University and Eastover Consulting Group, UK

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Relevanz des Themas

Unternehmen in den neuen EU-Mitgliedsstaaten Osteuropas sind produktiver als in anderen Transformationsländern, doch ihr Vorsprung nimmt ab. Generell profitieren weniger produktive Firmen stärker von der EU, allerdings gilt das Gegenteil für Betriebe in ausländischem Besitz. Ausländische Direktinvestitionen leisten keinen Beitrag zur Verbreitung von Wissen und Technologie über die Empfängerunternehmen hinaus. Die Dominanz multinationaler Unternehmen in den neuen EU-Mitgliedsstaaten erhöht vielmehr die Gefahr von Staatsvereinnahmung und asymmetrischer Infrastrukturentwicklung. Der Kapitalzugang bleibt dabei für alle Unternehmen ein Problem.

Produktivitätsvorteile (2005/2013) durch …

Wichtige Resultate

Pro

Die EU-Mitgliedschaft fördert die Arbeitsproduktivität durch die Verbesserung der Institutionen und als Reaktion auf die zunehmende Konkurrenz durch ausländische Importe.

Die für einen EU-Beitritt erforderlichen institutionellen Reformen sind ein wichtiger Produktivitätsfaktor.

Verstärkte ausländische Direktinvestitionen nach dem EU-Beitritt führten zu Fortschritten auf dem Gebiet von Management, Technologie und Produktivität.

Für Unternehmen in den neuen EU-Staaten hat sich der Kapitalzugang verbessert.

Contra

Konkurrenz durch ausländische Importe setzt inländische Unternehmen unter Druck; überlebende Firmen steigern jedoch ihre Produktivität.

Der institutionelle Wandel erhöht das Risiko einer Staatsvereinnahmung durch unternehmerische oder politische Interessensgruppen; dies kann inländische Unternehmen benachteiligen.

Die verstärkte Präsenz ausländischer Unternehmen in den neuen Mitgliedstaaten führt nicht zwangsläufig zu Wissens- und Produktivitäts-Spillovers.

Ausländische Produktionsmittel reduzieren die Wertschöpfung in der inländischen Produktion und damit das nationale BIP.

Eine ausgefeilte Bonitätsbewertung durch ausländische Banken kann den Zugang zu Finanzmitteln verringern.

Kernbotschaft des Autors

Der EU-Beitritt hat in den neuen Mitgliedsstaaten zu einer verbesserten institutionellen Entwicklung, höherer Firmenproduktivität, mehr ausländischen Direktinvestitionen und Exportsteigerungen geführt. Allerdings haben der Bedeutungszuwachs ausländischen Kapitals und die Dominanz ausländischen Firmeneigentums auch Anpassungen hinsichtlich Besteuerung, Subventionen und Infrastrukturausgaben auf staatlicher Seite nach sich gezogen – auf Kosten inländischer Unternehmen. Ein solcher Wettlauf nach unten könnte durch ausgewogenere Infrastrukturausgaben, die Förderung der lokalen Industrie und einen gerechteren Ansatz der EU gegenüber neuen Mitgliedsunternehmen vermieden werden.

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